KINDERSCHUTZ und Prävention

Kinderschutz:

Liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde,

der Sport trägt zur körperlichen und seelischen Stärkung von Kindern und Jugendlichen bei, fördert ihre Persönlichkeitsentwicklung und hilft, soziale Kompetenzen zu erwerben. 

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in ihren Familien oder im nahem Umfeld ist schon seit vielen Jahren ein Thema.

In den vergangenen Jahren haben Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch Personal in Institutionen, aber auch durch Jugendliche und Kinder selbst verstärkt Aufsehen erregt. Das Ausmaß dieser teils systematischen sexuellen Gewalt hat viele Menschen erschüttert. Im Verlauf der gesellschaftlichen Diskussion wurden aber auch Defizite an konkretem Wissen zur sexuellen Gewalt gegen Kinder, insbesondere in Institutionen, offensichtlich (Bundschuh 2010). So liegen nur wenige empirische Studien vor, die systematisch sexuellen Missbrauch in Institutionen zum Thema machen. Beispielsweise untersucht eine irische Studie institutionellen sexuellen Missbrauch durch Befragung ehemaliger Heimbewohner; sie stützt sich jedoch vor allem auf Berichte aus kirchlichen Einrichtungen (Ryan 2009). US-amerikanische Studien beziehen sich weitgehend auf sexuellen Missbrauch von Pflegekindern in deren Pflegefamilien (zum Beispiel Zuravin u. a. 1993; Portner u. a. 1999).

Auch im Sport gibt es leider sehr viele Fälle von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen, wie die neueste Studie der DSJ zeigt: https://www.dsj.de/handlungsfelder/praevention/kinderschutz/forschungsprojekt-safe-sport/ 

Wir wollen, dass die Kinder und Jugendlichen sicher aufwachsen, zu Hause, in der Schule und in ihrer Freizeit – ihr Schutz hat oberste Priorität. So habe ich mich zur Kinderschutzbeauftragten ausbilden lassen um tiefer in das Thema Kinderschutz und Prävention hineinzutauchen und Ansprechpartner für die Familien zu sein.

Weiter haben wir uns auch von jedem tätigen Übungsleiter das erweiterte Führungszeugnis vorlegen lassen. Jeder der bei uns die Kinder betreut MUSS den Ehrenkodex des Landessportbundes (Sportjugend Sachsen-Anhalt) unterzeichnen. Ich finde, ein vertrauenswürdiges Miteinander im Sport ist genauso wichtig wie die präventive Erziehung.

Präventionsthemen als Orientierung in Familien und Einrichtungen

  • Körperliche Selbstbestimmung: Mädchen und Jungen sollen ihren Körper als wertvoll, schön und liebenswert begreifen, ihn entdecken und erfahren dürfen. Abwertende Bemerkungen über den Körper anderer sollten weder in der Familie noch in einer pädagogischen Einrichtung zum Umgangston gehören. Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung verlangt von Eltern wie von Fachkräften, dass sie Kinder und Jugendliche zu Fortschritten in der Selbstständigkeit ermutigen und selbst respektvoll und gewaltfrei mit ihnen umgehen. Mädchen und Jungen sollen wissen und erleben, dass sie selbst über ihren Körper bestimmen können und andere sie nicht einfach ungefragt anfassen dürfen – auch dann nicht, wenn es „nur nett gemeint“ ist. 
  • Sexualerziehung: Kinder brauchen Erwachsene, die mit ihnen über Sexualität sprechen und ihr Interesse an sexuellen Fragen aufgreifen. Denn kindliche Unwissenheit über Sexualität kann leicht von Tätern und Täterinnen ausgenutzt werden. Zudem fällt es Mädchen und Jungen leichter, über sexuelle Übergriffe zu sprechen, wenn sie die Begriffe für Geschlechtsteile und sexuelle Vorgänge kennen. Die Verantwortung für Sexualerziehung tragen Familie und Bildungseinrichtungen gemeinsam. Wenn es Eltern schwer fällt, unbefangen über sexuelle Themen zu sprechen, kann Schule positive Zugänge erleichtern und Wissensdefizite ausgleichen. Sexualerziehung wird nicht dadurch überflüssig, dass Sexualität in unserer Gesellschaft allgegenwärtig ist. Im Gegenteil: Mädchen und Jungen brauchen Orientierung im Dschungel der sexuellen und sexualisierten Botschaften und Reize. Insbesondere sollten sie früh den Unterschied zwischen Sexualität und sexueller Gewalt verstehen. Aber auch für Jugendliche, die vor allem mit Gleichaltrigen im direkten Gespräch, im Chat oder durch Jugendmagazine ihre sexuellen Fragen klären, ist es wichtig zu wissen, dass sie auf erwachsene Ansprechpartner zurückgreifen können – aber nicht müssen. Auch wenn sie davon womöglich kaum Gebrauch machen, gibt dieses Wissen Sicherheit.
  • Gefühle: Täter und Täterinnen manipulieren die Gefühle der Betroffenen und die Wahrnehmung der Bezugspersonen. Prävention bedeutet deshalb, die Wahrnehmungsfähigkeit von Mädchen und Jungen zu fördern und sie darin zu unterstützen, ihre Gefühle auch auszudrücken. Sie sollen die Erfahrung machen, dass innerhalb der Familie oder Gruppe unterschiedliche Wahrnehmungen und Gefühle zu den gleichen Situationen existieren dürfen. Ebenso wichtig ist es, Kinder und Jugendliche darin zu bestärken, sich nicht zu Dingen überreden zu lassen, die sie nicht wollen. Mädchen und Jungen brauchen Ermutigung, wenn es darum geht, auch solche Gefühle zu zeigen, die angeblich nicht zu ihrem Geschlecht passen. Mädchen, die wild und selbstbewusst, Jungen, die auch mal ängstlich und hilflos sein dürfen, sind besser vor Missbrauch geschützt. Dabei gilt: Erziehende, die über ihre eigenen Gefühle sprechen und sie auch authentisch ausdrücken, sind ein wichtiges Vorbild.Auch beim Thema Gefühle stellen die digitalen Medien Eltern und andere Erziehende vor besondere Herausforderungen: Sie müssen Kindern und Jugendlichen vermitteln, dass es in der Online-Kommunikation nicht sinnvoll ist, sich auf seine Gefühle zu verlassen. Gestik und Mimik fehlen, so dass es nur wenige Anhaltspunkte für eine Einschätzung des Gegenübers gibt.
  • Widerspruch: Damit Kinder und Jugendliche ihr Unbehagen und ihre Abwehr bei sexuellem Missbrauch oder sexuellen Übergriffen ausdrücken können, sollten sie in ihrer Familie wie von betreuenden Fachkräften gelernt haben, dass Erwachsene nicht immer im Recht sind. Die Erfahrung, dass ihr Widerspruch, ihr Nein, nicht einfach übergangen wird und ihre Mitsprache Bedeutung hat, ist sehr wichtig. Wer ernst genommen wird, kann auch anderen Menschen gegenüber besser seine eigene Meinung vertreten oder Missfallen und Ablehnung kundtun. Manche Kinder oder Jugendliche benötigen Ermutigung, wenn es darum geht, Nein zu sagen. Doch sollten sie nicht mit Erwartungen überfordert werden, denn Nein zu sagen ist ein Recht und keine Pflicht. Bei anderen Mädchen und Jungen ist es wichtiger, sie dazu anzuhalten, ein Nein zu akzeptieren und die Grenzen anderer zu wahren.
  • Geheimnisse: Eltern sollten möglichst wenige Geheimnisse im Familienleben zulassen, damit sich keine „Geheimniskultur“ entwickelt. Wer daran gewöhnt ist, dass alles Unangenehme durch Stillschweigen aus der Welt geschafft wird, ist nicht ausreichend vorbereitet, wenn ein Täter oder eine Täterin Geheimhaltung erzwingen will. Eltern und Fachkräfte sollten Kindern schon früh vermitteln, dass man über „schlechte“ Geheimnisse, also Geheimnisse, die sich schlecht anfühlen, reden darf! Das ist kein Petzen und kein Verrat! Diese Botschaft ist auch für ältere Kinder und Jugendliche wesentlich. Gerade in etablierten Bildungs- und Betreuungseinrichtungen gibt es ein besonderes Risiko, dass Mädchen und Jungen, die sexuelle Gewalt erleiden, schweigen, weil sie es nicht wagen, den Ruf der Einrichtung zu beschädigen oder die „Gruppenehre“ zu verletzen.
  • Hilfe: Damit sich Kinder oder Jugendliche bei Missbrauch jemandem anvertrauen können, brauchen sie die grundlegende Erfahrung, dass sich ihre Eltern, andere private, aber auch professionelle Bezugspersonen für sie und ihre Sorgen und Nöte interessieren. Eltern sollten vermitteln, dass die Familie kein abgeschlossenes System ist, sondern auch andere Menschen geeignete Vertrauenspersonen sein können. Es ist von höchster Bedeutung, dass Mädchen und Jungen erleben, dass ihre persönlichen Belastungen nicht übergangen werden, sondern Raum bekommen. Das Wissen, dass sich Bezugspersonen mit dem Thema sexueller Missbrauch auskennen und Kontakt zu Fachberatungsstellen herstellen können, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Mädchen und Jungen im Ernstfall anvertrauen.
  • Schuld: Mädchen und Jungen, die sexuelle Gewalt erlitten haben, haben niemals Schuld. Dies sollte Kindern und Jugendlichen deutlich erklärt werden. Denn bei sexuellem Missbrauch fühlen sich die meisten Kinder oder Jugendlichen schuldig, was von Tätern und Täterinnen massiv gefördert und ausgenutzt wird. Denn Täter und Täterinnen bauen auf die Loyalität von betroffenen Kindern und Jugendlichen – auf ihr Gefühl, selbst (mit-)verantwortlich für das Geschehen zu sein. Dies gelingt besonders leicht, wo Kinder oder Jugendliche Risiken eingegangen sind und sich beispielsweise durch ihre offensive Selbstdarstellung in den Sozialen Netzwerken selbst gefährdet haben. Prävention sollte sich nicht darauf beschränken, vor diesem Verhalten zu warnen. Sie muss klarstellen, dass selbst riskantes Verhalten keinerlei Schuld begründet. Ein bewusster Umgang mit dem Thema Schuld in allen Lebensbereichen kann Kindern ein klares Bild von Schuldfragen zeichnen.

Präventive Erziehung verlangt Besonnenheit und realistische Ziele. Sie kann Risiken verringern, aber keinen absoluten Schutz garantieren. Sie kann aber dazu beitragen, Missbrauch frühzeitig zu beenden, bevor schwere seelische Verletzungen entstehen. Und sie kann helfen, seelische Verletzungen schneller verheilen zu lassen.

Wir möchten Anlaufstelle für all diejenigen sein, die Hilfe brauchen. Diesbezüglich haben wir uns auch ein Netzwerk mit verschiedenen Institutionen aufgebaut mit denen wir jährlich zu unserem Präventionstag kooperieren. Ein großes Dankeschön hiermit auch an unsere Partner:

So möchten wir ein Zeichen FÜR Kinder und GEGEN Missbrauch setzen.

Du vermutest oder beobachtest Grenzverletzungen oder Missbrauchsfälle in deinem Umfeld? Dir wurde etwas anvertraut und du bist dir nun unsicher, wie du mit der Information weiter umgehen solltest? Du bist eventuell sogar selbst davon betroffen? Dann wende dich vertrauensvoll (auch anonym) an unsere Ansprechperson.

Beratung und Hilfe findest du außerdem beim „Hilfetelefon sexueller Missbrauch“, eine bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten.

Hilfetelefon sexueller Missbrauch: 0800-22 55 530 (kostenfrei und anonym), Sprechzeiten: montags, mittwochs und freitags von 9 bis 14 Uhr, dienstags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr. Anfragen können auch per E-Mail gestellt werden: beratung(at)hilfetelefon-missbrauch.de

Prävention:

Unter Prävention zählt bei uns jedoch nicht nur der Kinderschutz sondern auch die Vorbereitung auf das Leben – auf ein suchtfreies, gesundes und bewegtes Leben. Wir möchten Kindern und deren Familien eine gesunde Lebensweise durch Ernährung und Sport sowie ein gewaltfreies Miteinander näher bringen. Wir möchten unterstützen, vorbereiten und informieren. So steht bei uns auch die Verkehrssicherheit bei regelmäßigen thematisierten Sportstunden auf dem Programm. Mit einer nachgebauten Fahrstrecke mit Verkehrsschildern erlernen sie spielerisch die Regeln und Gefahren im Straßenverkehr. In Zusammenarbeit mit der Polizei konnten wir auch bereits eine Veranstaltung zum Thema „Gehe nie mit Fremden mit“ durchführen. Mit Hilfe des Polizeisportvereins Merseburg stellten wir Situationen nach, die für die Kinder im Straßenverkehr aufkommen können.

Auch die gesunde Ernährung ist in den frühen Lebensjahren die Basis für eine gesunde Lebensweise. So achten wir zu unseren Veranstaltungen darauf, dass die Kinder sich gesund ernähren, z. B. durch eine Obst- und Gemüse-Snackbar. Unsere Sportstunden sowie die Veranstaltungen stehen unter dem Motto: alkoholfrei Sport genießen!. Es wird auf einen Alkoholausschank verzichtet, da wir der Meinung sind, dass Kinder und Alkohol keineswegs zusammen passen. Wir betreiben zu unserem Präventionstag eine alkoholfreien Cocktailbar , bei denen sich die Besucher davon überzeugen können dass auch alkoholfreie Cocktails lecker und gesund sind. So möchten wir auch auf die Suchtprävention Einfluss nehmen.

Jährlich sterben in Deutschland mindestens 110.000 Menschen vorzeitig an den Folgen des Tabakkonsums, weitere 40.000 Menschen sterben an den Folgen schädlichen Alkoholkonsums, und etwa 1300 Todesfälle im Jahr geschehen in Folge illegalen Drogenmissbrauchs. Zielgerichtete und auf wissenschaftlichen Ergebnissen gestützte Suchtprävention kann einen bedeutsamen Beitrag dazu leisten, die Bevölkerungsgesundheit zu steigern, die gesellschaftliche Kosten zu senken und die Lebensqualität zu erhöhen. Um die Schäden, die mit dem Missbrauch der legalen und illegalen Substanzen sowie den Verhaltenssüchten einhergehen, zu verringern, muss die Vorbeugung von Sucht neben Suchttherapie und Repression zentraler Bestandteil einer umfassenden Sucht- und Drogenpolitik sein. Die Suchtprävention wurde in Deutschland im Rauschgiftbekämpfungsplan von 1990, im 2003 beschlossenen Aktionsplan Sucht und Drogen und in der aktuellen Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik von 2012 als wichtiges Element einer umfassender Suchtarbeit festgelegt.

Quelle: https://www.bzga.de/programme-und-aktivitaeten/suchtpraevention/

Ernährung und Sucht sind zwei Teile der Prävention. Eine weitere Aufgabe in der präventiven Aufklärung von uns sehen wir in der Information. So laden wir zu unseren Aktionstagen immer die Feuerwehr, den Katastrophenschutz sowie die Polizei ein. Diese Netzwerkpartner sind meist mit ihren Fahrzeugen vor Ort und informieren die Besucher über ihre Tätigkeit als Feuerwehrmann/-frau, Polizist/in, Rettungssanitäter (im Katastrophenschutz) etc. Die Besucher dürfen mal in die Fahrzeuge hineinschauen, mit den Personen ins Gespräch kommen und damit einmal hinter die Kulissen blicken. Einige Kinder haben auch Angst vor der Polizei, Feuerwehr etc. weil sie von irgendwoher gesagt bekommen, sie seien schlecht. Zu unserem Präventionstag lernen sie diese Personen bei einem Gespräch oder kleinen Mitmachangeboten kennen und sehen, dass diese Personengruppe das komplette Gegenteil von schlecht ist, sondern sogar wichtige Ansprechpartner für sie sind, da sie in brenzlichen Situationen helfend zur Seite stehen.

Da wir ja am schönen Geiseltalsee angesiedelt sind, steht für uns auch der Schutz am See mit den Baderegeln auf der Agenda. Mit der Unterstützung unserer Freunde der DLRG OG Geiseltalsee, die in 2020 die Bewachung des Strandbades Stöbnitz übernehmen, haben wir einen tollen Netzwerkpartner gewonnen. Sie kamen und brachten in einer „Erste Hilfe Sportstunde“ den Kindern bei, wie man sich im Falle einer Verletzung bzw. beim Auffinden einer verletzten Person verhält. Sie durften sich gegenseitig „verarzten“ und hatten neben dem Nützlichen auch jede Menge Spaß.

Natürlich vermitteln wir auch unsere Interessierten Sportkinder zum Seepferdchenkurs der DLRG OG Geiseltalsee.

Wir sind nicht nur ein Kindersportverein, sondern eher eine kleine Familie, die aufeinander aufpasst und voneinander lernt! Und das wird auch in Zukunft so bleiben!